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  • AutorenbildThomas Gräbel

Südalbanien - Karibik am Mittelmeer

Aktualisiert: 1. März 2023

Schon einmal über einen Urlaub in Albanien nachgedacht!? Das kleine Balkanland ist auf der touristischen Überholspur, gilt aber noch als absoluter Geheimtipp unter Reisenden. Eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten und Attraktionen warten dabei auf die Urlauber. Das knapp drei Millionen Einwohner Land im Südosten Europas bietet antike Welterbestätten, historische Altstädte, wildromantische Täler und unberührte, alpine Landschaften. Schroffe Schluchten und abweisende Gebirgszüge in den Albanischen Alpen stehen im krassen Kontrast zu den idyllischen Küstenlandschaften an der Adria und dem Ionischen Meer. Auf einer Fläche von gerade einmal 28.000 Quadratkilometern, was nicht einmal die Hälfte der Fläche von Bayern (70.000 Quadratkilometer) ist, kann Albanien mit einer unglaublichen Vielfalt in Sachen Kultur und Natur aufwarten, so dass jeder Urlaubstyp auf seine Kosten kommt. Und Apropos Kosten, diese sind hier so gering wie in kaum einem anderen Land Europas. Nicht umsonst gilt Albanien als eines der günstigsten Reiseziele unseres Kontinents. Dennoch fliegt das Land, das im Norden an Montenegro und den Kosovo, im Osten an Mazedonien und im Süden an Griechenland grenzt, oftmals noch unter dem Radar vieler Reisender. Zeit das zu ändern! Wir haben den Süden Albaniens bereist und stellen euch das zauberhafte Land und seine vielfälftige Facetten vor. Dabei ist Albanien auch ein sehr sicheres Reiseland, Kriminalität gegenüber Touristen ist eine Seltenheit und beschränkt sich wenn auf in Tourismusregionen übliche Taschen- oder Trickdiebstähle.


Nachdem wir im Frühjahr diesen Jahres mit dem Kosovo bereits ein eng verbrüdertes Nachbarland besucht haben (siehe Reisebericht Kosovo - die unbekannte Seite des Balkans), wollen wir im den Spätsommer an Albaniens Südküste ausklingen lassen. Und so reisen wir Mitte September nach Ksamil, einen Katzensprung von der griechischen Insel Korfu entfernt. Am Ionischen Meer auf Höhe des apulischen Stiefelabsatzes im Westen herrschen hier Mitte September noch sommerliche und angenehme Temperaturen bei fast 30 Grad. Generell herrschen in den Sommermonaten von Ende Juni bis Ende August weitaus höhere Temperaturen in Albanien. Dann wird nicht selten auch die 40 Grad Marke geknackt. Daher bietet sich als Reisezeit vorallem das Frühjahr und der Herbst bzw. Spätsommer an. Ein weiterer Vorteil der "Nebensaison" ist natürlich der Umstand, dass wenige Urlauber an den beliebten Sehenswürdigkeiten vorzufinden sind. Denn obwohl Albanien international noch wenig auf den Reiselisten steht, machen zur Ferienzeit im Juli und August vorallem die Einheimischen und die unzähligen albanischen Auswanderer Heimaturlaub. Dann kann es in dem kleinen Balkanland sehr belebt sein. Ksamil liegt auf einer Halbinsel und gilt einer der schönsten Badeorte der fast 500 Kilometer langen Albanischen Riviera. Etliche feinsandige Buchten mit kristallklarem Wasser reihen sich die Küste entlang. Durchsetzt werden die Strände von hippen Bars und chilligen Restaurants. Kleine Inseln sind dem Badeort vorgelagert und sorgen für perfekte Badebedingungen. Das seichte Meer schimmert in bezaubernden Türkistönen, welche man eigentlich in der Karibik vermutet. Die fast weißen Sandstrände untergraben das karibische Flair, das in Ksamil herrscht. Und tatsächlich haben wir auf unseren Reisen in Europa wohl noch nie so ein türkisblaues Meer vorgefunden. Wir verbringen zehn Nächte in dem kleinen Küstenort und entdecken auf Tagesausflügen das vielfältige und atemberaubene Hinterland Südalbaniens.


Aber zunächst wollen wir Euch zeigen, wie ihr am Besten hierher kommt. Abgesehen von einer langen Autofahrt von München aus (20 Stunden und fast 1.600 Kilometer), gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten in den Süden Albaniens zu gelangen. Entweder mit dem Flugzeug nach Tirana, die im Norden gelegene Hauptstadt Albaniens, dann weiter mit dem öffentlichen Bus oder Mietwagen in etwa vier bis fünf Stunden und knapp 300 Kilometer nach Ksamil oder unsere Variante. Wir fliegen auf die griechische Insel Korfu, die sich nur wenige Kilometer Luftlinie von der albanischen Küste befindet. Von dort geht es dann mit der Fähre (Finika Lines oder Ionian Seaways) in einer 30 minütigen Fährfahrt hinüber in die Küstenstadt Saranda. Das Ticket zur Überfahrt könnt ihr online vorab kaufen. Angekommen in Saranda sind es dann nur noch 25 Fahrminuten entlang der Küste nach Ksamil. Wir nehmen hierfür ein Taxi. Kosten etwa 20 bis 25 EUR. Ja, der Sprit ist selbst in Albanien sehr teuer. Übrigens bietet sich Korfu und seine prächtige Altstadt Korfu-Stadt am naheliegenden Fährhafen bestens für einen kurzen Zwischenstopp und Aufenthalt an. Die im venezianischen Stil geprägten Gebäude vermitteln ein Flair von Italien und Griechenland an einem Ort. Prunkvolle Palazzi und großzügige Piazzas führen in enge, romantische Gassen, die mit farbenfrohen Blumen geschmückt sind. Kleine Kirchen erheben sich neben hübsche Galerien, die viele Geschäfte, Bars und Restaurants beherbergen. Das geschäftige Treiben in den Gassen der Altstadt findet schließlich dann seinen Höhepunkt wenn die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Dann ist es auch für uns Zeit Korfu zu verlassen und auf das noch weitgehend von Kreuzfahrern verschonte Albanien überzusetzen.



Während die 20.000 Einwohner Provinzhauptstadt Saranda noch sehr städtisch zugebaut daherkommt und die Bucht von riesigen Gebäudekomplexen überragt wird, geht es in Ksamil derweil weitaus ruhiger zu. Der kleine Ort zählt gerade einmal 3.000 Einwohner. Dennoch bietet der Badeort eine herausragende touristische Infrastruktur. Es gibt etliche Hotels in verschiedenen Kategorien, Ferienwohnungen und Gästehäuser. Auch wir finden mit unseren beiden kleinen Jungs ein passendes zwei Zimmer Appartement, mit dem ruhmreichen Namen Ronaldo, welches sich unmittelbar an der wunderschönen, feinsandigen Black Pearl Bucht liegt. Ein idealer Platz für Familien mit kleinen Kindern. Das seichte, kristallklare Wasser hat noch wohlige 27 Grad. Reinster Badegenuss! Die meisten Strände in der Bucht von Ksamil sind in der Urlaubssaison privat bewirtschaftet, d.h. es gibt ein Restaurant oder Bar mit Liegenverleih. Wir zahlen in der Black Pearl Bucht 1.000 LEK für zwei Liegen mit Schirm. Das sind umgerechnet knapp neun Euro pro Tag. Ein fairer Preis. Und apropos Preise, diese werden in der einheimischen Währung LEK aber auch in EUR angegeben bzw. berechnet. Obwohl Albanien bislang kein Mitglied der Europäischen Union (seit 2014 Beitrittskandidat) ist, ist der Euro ein gern gesehenes Zahlungsmittel. Egal ob in Bars, Restaurants oder in Geschäften oder Supermärkten. Man hat fast das Gefühl, man sehnt sich nach dem Euro. Damit umgehen wir zumindest der Problematik mit dem Geld wechseln. Wir finden uns schnell in Ksamil zurecht. Der Ortskern und das Zentrum sind wenig spektakulär. Es gibt viele Zweckbauten und einige Ruinen, keine historische Altstadt. Dafür ist alles fußläufig erreichbar und der Ort ist sehr belebt, lebendig und auch sehr sauber. Viele Restaurants, Bars, Geschäfte und Supermärkte reihen sich an die Hauptstraße oberhalb der Strände. Schon beim ersten Einkauf im Supermarkt verschlägt es uns die Sprache. Die Preise, gerade für frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse, sind unglaublich günstig. So füllen wir unseren Kühlschrank mit zuckersüßen Trauben, saftigen Pfirsichen und tiefroten Tomaten. Von der Frische der Lebensmittel kann man bei uns in Deutschland nur träumen. Überhaupt hat Albanien und Ksamil kulinarisch einiges zu bieten. Wenn ihr authentische, albanische Küche sucht, seid ihr im Brothers Fish and Meat Tavern richtig. Hier kocht ein altes Ehepaar fantastische hausgemachte Gerichte mit frischen Zutaten. Wie der Name schon sagt, zwischen Fleisch bis Fisch könnt ihr aus leckeren, mediterranen und rustikalen Speisen wählen. In Südalbanien ist die Küche, auch durch die Nähe zu Griechenland und Italien, mediterran geprägt. Fangfrischer Fisch steht ebenso auf den Karten, wie traditionelle albanische Fleischgerichte wie Lamm. Es gibt viele Grill-Restaurants, in denen man für wenige Euro ein tolles Fleischgericht bekommt. Verhungern wird hier also keiner! Und auch die herzliche Gastfreundschaft ist an jeder Ecke zu spüren. Man merkt, dass sich die Einheimischen über den wachsenden Tourismus und Interesse am Land erfreuen. Aber nun wieder zu den zweifelsohne Highlights von Ksamil, die paradiesischen Strände. Und hiervon gibt es jede Menge. Während es an den Stränden Black Pearl und südlich davon (Plazhi Ksamil 9, Paradise und Lori Beach) etwas ruhiger zugeht, liegt an den Stränden Plazhi Bora Bora und Ksamilit das touristische Epizentrum. Hier führt eine Promenade oberhalb der Strände vorbei an vielen Bars, Boutique Hotel und Clubs, Dauerbeschallung inklusive. Ideal für Partygänger und Barhopper. Wer es aber etwas entspannter haben will, sollte sich weiter südlich niederlassen. So lassen wir die milden Abende an der hippen African Bar neben dem Black Pearl ausklingen und genießen in chilliger Atmosphäre die sagenhaften Sonnenuntergänge über dem Ionischen Meer.

Gleich gegenüber der Strände von Ksamil befinden sich die berühmten, vorgelagerten

3 Ishujt Ksamil (Drei Inseln von Ksamil). Vorallem die Isole Gemelle di Ksamil (Zwillingsinseln) solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Sie befinden sich wenige hundert Meter von der Küste entfernt und ist bestens mit einem Tretboot oder Stand Up Paddle erreichbar. Gerade in den Morgenstunden lohnt sich ein Besuch zwingend. Dann habt ihr die Insel oft ganz alleine für euch und könnt den steinigen Doppelstrand mit seinen kristallklaren Wasser voll genießen. Die Felsen um die kleine Insel bieten zudem einen traumhaften Schnorchelspot. So erfreuen wir uns an den morgendlichen Sonnenstrahlen und fühlen uns fast wie Robinson Crusoe. Aber dann nahen auch schon bald die erste Tagesgäste, so dass wir unser paradiesisches Eiland auf dem Stand Up Paddle wieder verlassen. Im Laufe des Tages verkehren dann viele Ausflugsboote zu der unbewohnten Insel, ehe am Abend dort wieder Ruhe einkehrt. Obwohl wir uns in Ksamil pudelwohl fühlen, wollen wir die nächsten Tage auch die Sehenswürdigkeiten der Umgebung erkunden. Und da gibt es einiges zu entdecken.



Unser erster Stopp ist die wunderschöne Stadt Gjirokastra. Sie liegt knapp 70 Kilometer im nördlichen Inland und gehört mit seinen knapp 20.000 Einwohnern zu den ältesten Städten des Balkanlandes. Die prächtige Altstadt zählt seit dem Jahr 2005 zum UNESCO-Welterbe. Die alten, weiß getünchten Häuser, die sich an einen steilen Hang schmiegen, werden von engen und malerischen Gassen durchzogen. Etliche Souvenir- und Handwerksläden, hippe Bars und Restaurants haben sich in den historischen Bauten niedergelassen. Vom Zentrum der Altstadt, hoch oben auf einer Anhöhe bietet sich von vielen Stellen aus einen herrlicher Blick über das wunderschöne Drinostal und seine bis zu 1.800 Meter hohen Berge. Gjirokaster wird aufgrund seiner außergewöhnlichen Bauweise auch "Steinstadt" und "Stadt der tausend Stufen" genannt. Oberhalb der Altstadt befindet sich eine mächtige Festungsanlage, von der man einzigartige Panoramablicke auf das Umland genießen kann. Das ist der Eintritt in Höhe von vier Euro allemal wert. Wir staunen über die so unterschiedliche, fast steppenartige Gebirgslandschaft. Die beeindruckende Architektur von Gjirokaster und auch der Burg geht vorallem auf die osmanische Herrschaft zurück. Während auch die Griechen die Stadt besetzten, erlebte die Stadt vorallem in der osmanischen Ära ihre Glanzzeit. Heute ist der Ort fast wie ein Museum unter freiem Himmel und zeigt eindrucksvoll die bewegte Vergangenheit der heutigen albanischen Republik. Für die Erkundungen des Umlandes bietet sich ein Mietwagen an. Die Preise dafür variieren je nach Saison. In der Hauptsaison kann ein Auto gut und gerne auch Mal 50 Euro pro Tag kosten. Der öffentliche Personenverkehr ist dagegen abseits der größeren Städte eher schlecht ausgebaut, wodurch reisen durch Albanien damit sehr umständlich ist. Auch Taxifahrer bieten Ausflüge zu naheliegenden Sehenswürdigkeiten an. Einfach ansprechen und gut verhandeln.



Auf dem Weg zurück nach Ksamil fahren wir noch am Blue Eye (Syri i Kalter) vorbei. Diese Natursehenswürdigkeit liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich von Ksamil und ist in 45 Minuten zu erreichen. Das Blue Eye gehört mit Sicherheit zu den beliebtesten Attraktionen der Umgebung, wodurch es hier je nach Tageszeit und Saison sehr überlaufen sein kann. Wir haben also hohe Erwartungen. Und in der Tat ist dieses Landschaftsschutzgebiet wunderschön. Das Blue Eye an sich ist ein Quelltopf, dessen genaue Tiefe noch nicht erkundet werden konnte. Die Temperatur beträgt ganzjährig konstant frische 12 Grad. Vor dem Hintergrund des hellen Kalksteins hat das Wasser im Sonnenlicht eine tiefblaue, fast leuchtende Farbe, die letztendlich auch den Namen verleiht. Durch den hohen Kalksteingehalt des Gebiets schimmern die Wasserfarben in unterschiedlichsten Blau- und Grüntönen. Im Einklang mit den überwuchernden Pflanzen und Bäumen ergibt sich ein märchenhaftes Landschaftsbild. Kleine Pfade und Wanderwege führen entlang des Flusslaufes durch die grüne Natur. Eine Ähnlichkeit mit dem Krka Nationalpark oder den Plitvicer Seen in Kroatien ist hier sicher nicht zu verneinen. Gerade an heißen Sommertagen bietet das Gewässer um das Blue Eye willkommene Abkühlung. Natürlich stürzen auch wir uns in das frische Quellwasser. Ein atemberaubender Ort der Natur, den man allerdings zur Hauptsaison sehr früh besuchen sollte.



Als nächstes steht ein weiteres UNESCO Welterbe auf dem Programm, der Butrint Nationalpark mit seiner antiken Ruinenstadt. Butrint liegt gerade einmal fünf Kilometer südlich von Ksamil und wird stündlich mit dem öffentlichen Bus angefahren. Die wasserreiche Halbinsel ist umgeben vom Butrinitsee und vom Vivar Kanal, der ins Ionische Meer mündet. Bekannt ist die idyllische Halbinsel aber vorallem für die antike Ruinenstadt aus uralter römischer Herrschaftszeit. Die guterhaltenen Ruinen stammen zum Teil aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. Aber nicht nur die Römer hinterließen hier ihre Spuren. Auch die Griechen und Osmanen prägten die alte Stätte. Neben dem Amphitheater, sind verschiedene Tempelanlagen und die Akropolis noch sehr gut erhalten. Der Eintritt in die antike Stadt kostet fünf Euro. Wir spazieren durch die verschiedenen Viertel und erhalten dabei auch immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die umliegende Landschaft. Der Park bietet herrliche Naturwege durch uralte Wälder hin zu den antiken Ausgrabungen. Ein wunderbarer Ort, umgeben von einer atemberaubenden Naturkulisse, der tiefe Einlicke in die antike Vergangenheit gewährt.



Unser letztes Ausflugsziel liegt über 100 Kilometer nördlich von Ksamil, in der Provinz Permet, einem der Naturparadiese Albaniens. Hier im bergigen Hinterland entfaltet die Landschaft ihre ganze Schönheit. Sie gilt als absoluter Geheimtipp unter Individualreisenden. Zwischen reißenden Gebirgsflüssen, pittoresken Schluchten, entlegenen Berggipfeln und natürlichen Thermalbädern, liegt im idyllisch grünen Vjosatal die Provinzhauptstadt Permet. Die Kleinstadt wird auch "Stadt der Rosen" genannt, denn diese sollen hier im fruchtbaren Land besonders gut gedeihen. Und tatsächlich wuchern hier viele tiefrote Rosen an der Uferpromenade des grünblauen Vjose Flusses, der sich an der Stadt vorbei schlängelt. Ansonsten fällt einem schon von weitem der pittoreske Stadtfelsen (Gur i Qytetit) auf. Dieser erhebt sich imposant über die 10.000 Einwohner Stadt. Eine Stahltreppe bringt uns hinauf auf das 25 Meter hohe Felsplateau. Von hier oben erhalten wir einen sensationellen Weitblick über Permet und die umliegende hügelige Landschaft.

Dort oben kann man noch sogar noch die Ruinen der Steinmauer aus der osmanischen Herrschaftszeit finden. Einer Legende nach beschloss Anfang des 15. Jahrhunderts ein lokaler Gouverneur namens Premti sein Leben zu opfern, indem er von diesem Stein in den Fluss Vjosa sprang, anstatt in die Hände osmanischer Invasoren zu fallen. Zu Ehren dieses Märtyrers erhält die Stadt seinen heutigen Namen.

Permet gilt übrigens als grünste und sauberste Stadt Albaniens und ist das Zentrum für unzählige Aktivitäten im naturbelassenen Umland. Berge, Schluchten, Wasserfälle und Flüsse machen das Gebiet um Permet zu einem Eldorado und perfekten Ausgangspunkt für Outdoorsportler. Vom Wandern, Canyoning, Klettern bis hin zum alpinen Wintersport ist das Angebot schier unbegrenzt. Ehe auch wir uns in die Wildnis des Hinterlandes stürzen, wollen wir noch etwas durch die Provinzhauptstadt spazieren. Die Orientierung fällt hier leicht. Neben einer Uferpromenade verläuft oberhalb dieser der zentrale Platz mit einer kleinen Fußgängerzone. Mit der UNESCO Welterbe Stadt Gjirokaster kann Permet natürlich nicht mithalten. Es gibt viele sowjetische Zweckbauten und einige heroische Statuen. Viel Charme versprüht dies nicht. Aber allein die atemberaubende Lage macht die Stadt im Vjosatal so sehenswert. Und auch kulinarisch kommen die Gäste hier voll auf ihre Kosten. So findet man hier mitunter die besten Weine des Landes und authentisches, albanische Spezialitäten.



Nun geht es weiter in das spektakuläre Hinterland des Vjosatals. Wir fahren knapp 15 Kilometer Richtung Westen und gelangen zu den natürlichen Thermalbädern von Benje (Benjat e Benjes). Die Schwefelquellen entspringen aus tiefen tektonischen Verwerfungen auf beiden Seiten des Lengarica-Canyons.

Es gibt sechs dieser heilenden Thermalbäder und jede Quelle besitzt unterschiedliche therapeutische Eigenschaften zur Behandlung von Hautkrankheiten, Magenbeschwerden, Nierenproblemen und Rheuma. Das Wasser der Quellen, bestehend aus Chlor-Natrium-Kalzium hat ganzjährig eine Temperatur zwischen 22 und 28 Grad. Ein perfekter Ort für einen Wellnesstag umgeben von einer idyllischer Naturkulisse. Bevor wir das Wellnessangebot allerdings nutzen, wandern wir noch durch die atemberaubende Lengarica-Schlucht. Ein knapp dreizehn Kilometer langer Rundweg führt uns entlang der bis zu 150 Meter hohen und fünf Kilometer langen Schlucht durch einsame und ursprüngliche Wildnis. Etwa 600 Höhenmeter sind dabei insgesamt zu überwinden. Entschädigt werden wir mit unvergesslichen Weit- und Tiefblicken auf die sagenhafte Landschaft. Ausgangspunkt der Wanderung ist dabei die Ura e Kadiut (Kadiut Brücke). Die alte osmanische Brücke überspannt den Flusslauf des blaugrünen Vjosas und garantiert zusammen mit der umliegenden grandiosen Naturkulisse wunderschöne Fotomotive. Kleine Höhlen oberhalb der Brücke bieten die perfekte Perspektive dafür. Schließlich machen wir uns nach ein paar Schnappschüssen auf zu der schweißtreibenden Wanderung. Das Thermometer zeigt 30 Grad an.

Die Wanderung führt uns rund um die Schlucht. Der Naturpfad verläuft zum größten Teil in Wald oder dichtem Busch und bietet an mehreren Stellen die Möglichkeit einen Abstecher direkt zum Schluchtrand zu machen. Auf natürlichen Aussichtsplattformen erhalten wir schwindelerregende Tiefblicken. Einige Seitenverzweigungen der Schlucht führen dazu, dass es bei diesen Aussichtspunkten gleich an zwei oder drei Seiten senkrecht in die Tiefe geht. Schwindelfrei sollte man hier also schon sein. Wir passieren einige kleine osmanische Brücken. Auf unserer Runde begegnet uns keine Menschenseele, so dass wir die ganze Stille der Natur voll aufsaugen können. Die Wanderwege sind nicht immer ausreichend markiert, wie wir es in den heimischen Alpen gewohnt sind. Ein funktionierendes GPS ist daher sinnvoll. Mit tollen Eindrücken kehren wir schließlich nach etwa drei Stunden auf der anderen Seite der Schlucht wieder zu den Thermalbädern zurück. Wir lassen unsere müden Körper in die heilenden Bäder gleiten. Was für ein Gefühl! Ein perfekter Abschluss. Am späten Nachmittag kehren wir zurück nach Ksamil. Albanien und sein abgelegenes Hinterland bietet sich gerade zu an, um mit dem Mietwagen erkundet zu werden. Die Straßen sind weitgehend gut ausgebaut. Lediglich der Fahrstil vieler Einheimischer ist oft sehr rasant. Mit Google Maps sind die meisten Orte gut erreichbar. Aber Achtung, da Albanien noch nicht EU Mitglied ist, fallen hohe Roaming Gebühren im Mobilnetz an. Es lohnt sich daher unbedingt sich eine SIM Karte zu holen. Diese kostet zum Zeitpunkt unserer Reise 20 EUR mit 30 GB.



Nun ist es leider Zeit Albanien wieder zu verlassen. Wir verbrachten zehn wundervolle Tage im Süden der Balkanrepublik, die uns nicht nur mit ihren karibischen Stränden, sondern auch mit ihren vielfältigen Natur- und Kulturdenkmäler begeistert hat. Die natürliche Ursprünglichkeit des Landes und die herzliche Gastfreundschaft der Einheimischen machen Albanien zu einem der letzten Geheimtipps Europas.

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